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"Werkstattkinder" in München

Hämmern, Sägen, Bohren

Die "Werkstattkinder" in München bauen ihr Spielzeug selbst!

Wer die Werkstatt im Kinderhaus Werkstattkinder das erste Mal betritt, staunt nicht schlecht. Da sägt die dreijährige Iris souverän ein Stück Holz für ihr Ritterschwert zurecht während die vierjährige Sarah schon dabei ist, den Handschutz für ihre Spielzeugwaffe festzunageln.

Und kein Erzieher steht mit strenger Miene daneben, um sofort einzugreifen. Die größte Überraschung: die Hände der Kinder sind völlig unversehrt. Für Sophie Booker, Leiterin des Kinderhauses und der Krippe, ist das selbstverständlich: "Die Kinder fangen bei uns schon in der Krippe - also schon mit einem Jahr - an, mit Werkzeugen und Materialien zu hantieren. Wenn sie in den Kindergarten kommen, sind viele schon geübt. Wer uns dann zeigen kann, dass er sicher mit dem Hammer, der Säge, dem Bohrer usw. umgeht - und vor allem auch alles wieder selbst aufräumt - bekommt einen Werkstattausweis. Das ist hier quasi der Ritterschlag. Denn damit darf das Kind ohne Erzieher in der Werkstatt arbeiten."

Initator der heutigen Werkelstunde war Felix. Der brauchte unbedingt ein Piratenschwert, um mit Freund Caspar den Piratenschatz zu verteidigen. Die beiden Fünfjährigen arbeiten gerade an einer etwas filigraneren Schwertvariante als die beiden kleineren Mädchen nebenan - sie wollen die Einzelteile zusammen kleben. "Das Spannende ist, dass die Kinder oft das gleiche basteln, z.B. ein Flugzeug, Häuser oder Handpuppen. Aber jeder sucht sich seinen eigenen Weg. Oder sie probieren alle eine gleiche Technik und machen daraus was völlig unterschiedliches. Letztlich lernen sie hier, zu improvisieren, kreativ zu sein, aber auch ganz praktisch sich Sachen selbst zu bauen, die sie zum Spielen brauchen" berichtet Erzieherin Sophie Booker. Dass das Herz des Kinderhauses einmal die Werkstatt sein würde, war den Gründerinnen der Elterninitiative vor 3 Jahren von vornherein klar. "Wir wollten für unsere Kinder die Möglichkeit, sich selbst auszuprobieren in ihrem eigenen Tempo, mit Materialien zu experimentieren, selbstständig zu lernen. Das geht heutzutage in überambitionierten Ansätzen oft unter. Die Kinder sind wirklich gerne in der Werkstatt. Solche Möglichkeiten, sich handwerklich auszuprobieren, haben die wenigsten zu Hause" erklärt Mitinitiatorin und Vorstand Katharina Müller. Die Werkstatt begeistert aber nicht nur die Kinder, sondern auch die Erzieher. Denn die meisten aus dem Team haben selbst eine kreative oder handwerkliche Ausbildung oder Hobby - sei es als Holzbildhauer, als Werklehrer oder ambitionierte Hobbyschneiderin. Zusätzlich gibt es immer wieder entsprechende Teamfortbildungen wie z.B. zu Lernwerkstätten oder Upcycling.

Wie gut sich das Werkeln mit den anderen Aktivitäten im Kindergarten ergänzt, zeigt ein Projekt, mit dem ein paar Kinder in einer anderen Ecke der Werkstatt beschäftigt sind: das Ritter-Rost-Projekt. "Wir haben im Kindergarten ein Buch von Ritter Rost gelesen. Davon waren die Kinder so begeistert, dass sie unbedingt die verschiedenen Menschen und Maschinen aus dem Buch nachbauen wollten. Jetzt planen sie sogar ein kleines Theaterstück mit ihren Figuren" klärt Kindergartenleiterin Carolin auf. Die Handfertigkeiten der Kinder haben auch noch eine ganz praktische Seite. Denn z.B. kaputte Sachen aus der Einrichtung, wie z.B. den Stuhl in der Ecke, "reparieren wir natürlich selber. Wir sind doch echte Handwerker" berichten Piratenschwertbauer Felix und Caspar stolz.

WerkstattKinder e.V.
Biterolfstr.10
Ecke Wendl-Dietrich-Str
80634 München
vorstand@werkstattkinder.de

Quelle/Foto: WerkstattKinder e.V.

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