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Anastasia Reiber

Musik in der Weihnachtszeit

Ursprung, Tradition, Inspiration - Experten-Beitrag über Weihnachtslieder von Anastasia Reiber

Oh schöner die Glocken nie klingen...

Weihnachtszeit ist eine magische Zeit – nicht nur für unsere Kinder. Sinnliche Düfte durchziehen die Räume, himmlische Klänge erschallen allerorts und die Menschen wirken friedvoller und entspannter als sonst. Weihnachten ist bei uns traditionell ein Fest der Familie – gemeinsames Singen und das Lesen der Weihnachtsgeschichte haben ihren festen Platz am Heiligabend. Wie wir bereits die gemeinsame Adventszeit mit Singen, Basteln und Geschichten erzählen verschönern können, möchte ich Ihnen dieses Mal näher bringen.Ob unter dem Tannenbaum im heimischen Wohnzimmer, auf dem Weihnachtsmarkt oder in der Kirche: Advents- und Weihnachtslieder gehören einfach zum Weihnachtsfest dazu. Gerne singen wir selbst die Lieder, die wir bereits aus unserer Kindheit kennen – wie lassen uns begleiten von Klavier, Geige Querflöte oder lassen uns einfach von Interpreten via CD musikalisch auf Weihnachten einstimmen.


Ein weihnachtlicher Ausflug in die Geschichte der Weihnachtslieder


Die Tradition des Singens reicht zurück ins frühe Mittelalter. Damals war das Lied noch Teil der Liturgie und somit in lateinischer Sprache gesungen. In der Reformationszeit änderte sich das: Krippenspiele kamen auf und die Liedtexte wurden für das Volk verständlich ins Deutsche übersetzt. Seit dem 19. Jahrhundert feiern wir nun Weihnachten nicht nur als christliches Fest, sondern auch als Fest der Familie. Die Hausmusik und das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern waren nur ein Teil des weihnachtlichen Feierrituals – in den Familien entstand der Brauch des weihnachtlichen Schenkens.

Zur neuen Weihnachtssymbolik in Form von Adventkranz und Tannenbaum entwickelten sich auch die entsprechenden Gedichte und Lieder: „Advent, Advent ein Lichtlein brennt“ (Johann Hinrich Wichern), „Oh Tannenbaum“ (Ernst Anschütz) oder „Stille Nacht, heilige Nacht“ (Joseph Mohr, Franz Xaver gruber). „Stille Nacht“ ist das weltweit bekannteste Weihnachtslied und gehört sogar zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Aus der Tradition der weihnachtlichen Lieder wurde ab Mitte des 20. Jahrhunderts Kommerz. Der Weihnachtsliedermarkt hat seitdem für jeden Geschmack, ob Klassik, Pop oder Techno, etwas zu bieten. Diese Lieder spiegeln meiner Meinung nach Konsum und Geschenkerwartungen wieder wie es in den Liedern „Morgen, Kinder, wird was geben“/ „Morgen komm der Weihnachtsmann“ anklingt und sind meilenweit vom Liedgut des Mittelalters entfernt.

Jede Epoche hatte also eine andere inhaltliche Auffassung von Weihnachtsliedern: Die älteren Lieder befassen sich textlich mit dem Kern der christlichen Weihnachtsbotschaft, die Lieder aus der Neuzeit beschränken sich auf andere Aspekte der Weihnacht, wie die Weihnachtsvorfreude. Welche Weihnachtslieder nun traditionell in den Familien gesungen werden, hängt natürlich vom eigenen Geschmack ab und natürlich auch von dem, unter welches Wertesystem wir Weihnachten stellen. Wie zelebrieren wir selbst Weihnachten? Welche Lieder haben unsere kindliche Weihnachtsvorstellung geprägt? Empfinden wir Weihnacht als christliches Fest oder als Familienfest mit Plätzchen, Punsch und Geschenken unter dem Baum.

Adventszeit – ein Festreigen für die ganze Familie


Für unsere Kleinen ist das Weihnachtsfest natürlich vorrangig ein „Bescherfest“ – die Geschenke bleiben in Erinnerung – aber durchaus auch unsere Taten und das gemeinsame Singen. Durch gemeinsame Erlebnisse wie Backen, Basteln, weihnachtliche Geschichten und Lieder können wir ihnen den Hintergrund dieses Festes altersgemäß nahe bringen. Versuchen Sie nicht nur die traditionellen Weihnachtslieder zu gemeinsame zu singen, sondern Ihren Kindern, die oft unverständlichen Worte in den Liedtexten zu erklären. Lassen Sie alte Bräuche und ihre eigenen Erinnerungen sprechen. Pflegen wir Geheimnis und Überraschung, auch wenn wir wissen oder ahnen, dass unsere Lieben dem Glauben an die Bescherung durch das Christkind entwachsen sind! Die Weihnachtszeit ist trotzdem eine Zeit voller Magie und Träume. Es sind die liebenswerte Familientraditionen oder regional beeinflussten Bräuche, die den Charme der Tage vor und nach dem Weihnachtsfest ausmachen.

Woher stammen der Bratapfel und der Christstollen?


Kinder lieben es, wenn alles sein „Warum“ und seine Geschichte hat. Und es gibt viele Geschichten, die wir ihnen in der Weihnachtszeit erzählen können, z.B. können wir bei der gemeinsamen Zubereitung von Bratäpfeln über den Apfel als Erinnerung an das philosophieren, oder beim Backen des Christstollen, der als eine Art Gebildbrot das Christkind als Wickelkind darstellen sollte. Dazu passt beliebte Lied „In der Weihnachtsbackerei“ von Rolf Zuckowski.

Besonders beliebt bei Kindern sind Erzählungen mit Tieren oder solche, die sich um das Christkind drehen. Sie helfen uns die oft schwer verständlichen Texte mancher Weihnachtslieder zu erklären, bei denen es inhaltlich um Herbergssuche und Geburt, Verkündigung an die Hirten auf dem Felde und die Anbetung der Hirten und der heiligen Dreikönige an der Krippe geht. Wichtig ist, dass Kinder verstehen, wovon sie singen. In meinem eigenen Musikunterricht muss ich oft genug erfahren, dass selbst ältere Kinder oft nicht wissen, was in den Liedern besungen wird.

Bauen Sie doch mit ihrem Kind eine eigene Krippe – dabei haben schon recht kleine Kinder sehr viel Spaß. Beim Aufstellen erzählt dann jede Figur dem Jesuskind ihre Geschichte, wie sie zur Krippe kam. Sie können auch zu einer Krippenausstellung mit Ihrem Kind gehen: Das Bayerische Nationalmuseum besitzt die weltweit größte historische Krippensammlung.

Stille Nacht, heilige Nacht – stimmungsvoll und besinnlich

Wer heute das Fest mit einem Gottesdienst beginnen möchte, besucht häufig den feierlichen Vespergottesdienst (lateinisch vespera: Abend) am Heiligabend. Im Mittelpunkt steht die Weihnachtsgeschichte von der Geburt Jesu, die der Evangelist Lukas im zweiten Kapitel seines Evangeliums erzählt. Mit ihrer Lichtsymbolik, den Weissagungen der Propheten und vielen bekannten Weihnachtsliedern ist die Christvesper für viele Menschen der wichtigste und sinnlichste Gottesdienst im Kirchenjahr. Oft sorgen Kantorei und Posaunenchor für den musikalisch anspruchsvollen Teil der Veranstaltung, im Chor sind Krippe und Tannenbaum aufgebaut. Mit dem Lied „Stille Nacht, Heilige Nacht“ klingt der Gottesdienst oft bei reiner Kerzenbeleuchtung aus. Speziell für Familien mit Kindern wird zusätzlich ein Gottesdienst mit Krippenspiel am frühen Nachmittag angeboten.

Auch das familiäre Weihnachtsfest kann man traditionell gestalten, z.B. in der Tradition des 19. Jahrhunderts. Damals bestand das Weihnachtsfest aus zwei Teilen: Zuerst erzählte ein Familienmitglied die Weihnachtsgeschichte, danach sang die Familie das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht”. Erst dann gab es die Bescherung mit anschließendem Festessen und gemütlichem Beisammensein. Man eröffnete die Bescherung mit „O Tannenbaum” und schloss sie mit „Heilige Nacht”.  Diese Lieder sind auch heute noch Bestandteil der familiären Weihnachtsfeiern, sowie „O du fröhliche”, „Der Christbaum ist der schönste Baum”, „Tochter Zion” oder „Ihr Kinderlein kommet”. Und sie bringen immer noch die schönste Weihnachtsstimmung mit, auch wenn man die „selbstgemachte” Hausmusik durch die „selbstgespielte” CD ersetzt.

Klingende Adventszeit – Weihnachtslieder in neuem Gewand

Doch die Weihnachtslieder müssen nicht zwingend die religiöse Thematik widerspiegeln. Kleine Kinder erfreuen sich ganz besonders am vorweihnachtlichen Treiben: am Schnee vor der Tür, an der rasanten Schlittenfahrt, am Klang von Weihnachtsglöckchen, an den Lichtern des Adventkranzes, am Schmücken des Tannenbaums. Jedes Ereignis ist in Liedern festgehalten: „Leise rieselt der Schnee“, „Kling Glöckchen“, „Schneeflöckchen Weißröckchen“, „Kunibert, das Rentier“, „Unser Christbaum ist der schönste Baum“, „Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen“, „Schlittenfahrt“ (jingle bells).

Einige davon lernen Kinder auch im Kindergarten. Schön wäre es, wenn Sie als Eltern, Kindern beim Erlernen von diesen Liedern helfen könnten. Denn oft sitzt zwar die erste Strophe, dann hapert es ein bisschen mit dem Liedtext. 

Was Weihnachtlieder-CDs anbelangt, kann ich zwar keinen direkten Tipp geben, finde aber für Kinder Weihnachtslieder am schönsten, die von einem oder mehreren Kinderchören gesungen werden. Es gibt z. B. von den Regensburger Domspatzen oder ähnlichen Chören stimmungvolle traditionelle Weihnachtslieder.

Und noch eine Empfehlung von mir ist das Buch von Gilla Brückner „Weihnachten feiern wie früher“ von Thorbecke-Verlag. Die Autorin nimmt ihre Leser mit auf eine kleine Reise durch die Weihnachtszeit vergangener Tage. Man erfährt, wie es früher war (im 19. und 20. Jh.). Für mich selbst war das Buch sehr inspirierend und bereichernd! Nicht nur für diesen Artikel.

Ihre Anastasia Reiber, Gründerin und Leiterin von mini.musik - Große Musik für kleine Menschen e.V.

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