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Anastasia Reiber

Musikalische Neigungen der Kinder

Familien in München: Erkennen und fördern.

Expertenbeitrag von Anastasia Reiber, Gründerin und Leiterin von mini.musik - Große Musik für kleine Menschen e.V.

Welche Rolle spielt das elterliche Verhalten beim kindlichen Interesse an der klassischen Musik?
Musikalische Kinder kommen aus musikalischen Familien. Beispiele dafür gibt es viele: Bach lernte von seinem Vater, Mozart auch. Kinder, deren Eltern selbst musizieren scheint das musikalische Gen in die Wiege gelegt zu sein. Sie fangen selbst früh an, ein Instrument zu erlernen, denn sie wollen ihren Eltern nacheifern. Für sie gehören das tägliche Üben und die Beschäftigung mit Musik ganz automatisch zum Tagesablauf. Musik ist für sie Teil ihres Alltags.

Aber keine Angst: musikalische Familien sind nicht zwangsläufig Berufsmusikerfamilie wie bei Bachs und Mozarts. Natürlich ist es von Vorteil, wenn die Eltern selbst ein Instrument spielen. Ich erlebe es oft im Klavierunterricht, dass Eltern, die in ihrer Kindheit ein Instrument erlernt hatten, mit ihren Kindern wieder anfangen, um mit ihnen zusammen zu musizieren. Hierbei steht das gemeinsame Musik-Erlebnis im Vordergrund, das reine Üben am Instrument ist zweitrangig. Die Kinder lernen eine ganz neue Seite an der Musik kennen, die Freude am gemeinsamen Erleben. Daraus schöpfen sie die Motivation für das Üben an „ihrem“ Instrument.

Was sagt uns das nun für das Aufkeimen des kindlichen Interesses an Musik und der musikalischen Entwicklung im Elternhaus? Für mich als Musikexpertin spielen hierbei 6 Faktoren, die ich Ihnen erläutern möchte, eine entscheidende Rolle.

1. Musikalischer Hintergrund der Eltern
Es reicht bereits aus, wenn Musik in ihrem Haus präsent ist: Das Singen der Mutter, das Tanzen zu Liedern, das Anhören von Schallplatten/CDs und das eigene Musizieren schaffen eine Atmosphäre, die das kindliche Gehör für Musik sehr empfänglich macht.

2. Anhören von Musikaufnahmen (unterschiedlicher Musikstile)
Hören Sie mit Ihrem Kind „gute“ Musik. Es muss nicht immer klassische Musik sein, doch sie sollte dazu gehören. Viele Menschen haben allein deswegen keinen Zugang zur klassischen Musik, weil sie im Kindesalter diese nie gehört haben.

Ich habe Ihnen ein paar empfehlenswerte Werke zusammengestellt:

  • Die Reihe „Der Holzwurm der Oper“ Deutsche Grammophon
  • Die Reihe „Klassik für Kinder“ (Wir entdecken Komponisten)
  • Klassik for Kids (Griot-Verlag)
  • Hörspiele von Marko Simsa (Jumbo Verlag)
  • Der Kleine Hörsaal (Decca)

Kleinkinder lernen auch durch Nachahmen. Neulich kam ein dreijähriger Junge zu mir, dessen Schwester Klavierunterricht bei mir hat. Mit einer Kindergitarre in der Hand, Finger über die Seiten schwingend, sprang er durch das Zimmer und sang laut ein Lied. Und was meinen Sie, welches Lied er sang? „Let it be“ von Beatles! Die Mutter berichtete, dass im Haus sehr viel Beatles gehört wird und dass dieses Lied das Lieblingslied von ihrem Jungen sei. Er habe es sich so oft angehört bis er es selber singen konnte. Solche Beispiele gibt es viele. Jedes Kind, das viel Musik hört, wird seine Lieblingslieder haben, die es gerne singt, zu denen es tanzt oder das es später auf dem Klavier oder einem anderen Instrument nachspielen möchte.

3. Gemeinsames Singen und Tanzen
Wenn Sie selbst nicht so gut singen können, oder sich nicht trauen, lassen Sie einfach eine CD laufen und singen Sie mit. Sie sollten ihr Kind während des gemeinsamen Gesangs nicht verbessern, nur weil es nicht im Sinne des Erwachsenen rein und richtig singt. Es gilt viel mehr, dem Kind die Lust am Singen, am Spiel mit Stimme und Sprache möglichst lange zu erhalten. Jedes Werturteil oder ein distanziertes Beobachten kann die Lust am Singen oder Tanzen „erfrieren“ lassen. Am besten also: Sie machen mit! Und haben gemeinsam Spaß am Trällern.

4. Gemeinsames Musizieren
Sollten Sie oder jemand in der Familie ein Instrument besitzen, lassen Sie Ihr Kind es entdecken und ausprobieren. Neugierig wird es sich mit dem Instrument be-fassen, seinem Klang lauschen und vielleicht sogar erste, noch ganz freie Spieltechniken entwickeln. Und falls Sie selbst ein Instrument spielen, vernachlässigen Sie ihr eigenes Musizieren nicht und musizieren Sie weiter. Sie werden bald bemerken, dass Ihr Kind Ihr Interesse an Musik sehr rasch teilt.

5. Anteilnahme und Hilfestellung der Eltern beim Musizieren
Wenn Ihr Kind Musikunterricht bekommt, beschränken Sie sich nicht darauf, es zum Lehrer zu bringen und dort wieder abzuholen. Sprechen Sie regelmäßig mit dem Lehrer und mit Ihrem Kind über den Unterricht und beteiligen Sie sich inhaltlich daran. Nehmen Sie jeden Fortschritt ihres Kindes mit Begeisterung wahr und loben Sie es häufig. Dadurch bekommt Ihr Kind den Ansporn, sich weiter mit Musik zu befassen.
Aus meiner eigenen Erfahrung als Musiklehrerin kann ich sagen, dass Eltern, deren Kinder erfolgreich ein Instrument erlernen, Interesse an der Musik ihres Kindes haben. Dieses Interesse steigert sich meist noch mit den zunehmenden Fertigkeiten der Kinder. Eltern, die von vornherein wenig Interesse an den musikalischen Fähigkeiten ihrer Kinder zeigten, bei denen verlieren die Kindern nach einer Weile die Lust am Spielen und geben ihr Instrument schlussendlich auf.

6. Konzertbesuche
München bietet eine Vielzahl an musikalischen Eindrücken für kleine wie auch große Kinder. Veranstaltungen, die für jedes Lebensalter passen, hatte ich bereits in zwei vergangenen Beiträgen vorgestellt: Bunt und lehrreich! Münchens musikalische Kultur- und Veranstaltungsszene für Vorschulkinder sowie in dem Beitrag Entdeckungsreisen mit Tiefgang: Münchens musikalische Kultur- und Veranstaltungsszene für Schulkinder.


Sie sehen, es gibt wenig Einwände, Kinder an (klassische) Musik heranzuführen, dafür umso mehr gute Gründe, bereits heute damit zu beginnen. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim gemeinsamen Musizieren!

Ihre Anastasia Reiber, Gründerin und Leiterin von mini.musik - Große Musik für kleine Menschen e.V.

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