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Sag Schibbolet!

Sag Schibbolet!

Jüdisches Museum München - JMM

29.05.2019 bis 23.02.2020

Während man von Globalisierung und internationaler Gemeinschaft spricht, werden überall in der Welt neue Grenzzäune und Mauern errichtet: um Staaten, besetzte Territorien und exklusive Wohnsiedlungen, zwischen öffentlichem und privatem Raum, Erlaubtem und Unerlaubtem. Manche dieser Grenzen sind durchlässig und andere tödlich, manche sichtbar gezogen und andere durch kulturelle Codes, Sprachtests oder biometrische Verfahren bewehrt. Grenzen entscheiden über Leben und Tod, „Identität“ und „Fremdheit“, Zugehörigkeit und Ausschluss.

Und Gilead besetzte die Furten des Jordan vor Efraim, und es geschah, wenn die Flüchtlinge aus Efraim sprachen: Ich will hinübersetzen! So sprachen zu ihm die Männer von Gilead: Bist du ein Efrati? Und sagte er Nein, so sprachen sie zu ihm: Sag doch „Schibbolet“! Er aber sagte „Sibbolet“, und vermochte es nicht richtig auszusprechen; da ergriffen sie ihn und schlachteten ihn an den Furten des Jordan. Und es fielen in selbiger Zeit von Efraim zweiundvierzigtausend. (Richter 12, 5-6)

Ausgehend von der biblischen Erzählung von der Flucht der Efraimiter vor den siegreichen Gileaditern und ihrem tödlichen Scheitern an den Ufern des Jordans, lädt das Jüdische Museum München internationale Künstler_innen dazu ein, Grenzen in aller Welt kritisch zu betrachten.

Die Ausstellung

Ab 29. Mai 2019 präsentiert das Jüdische Museum München mit „Sag Schibbolet! Von sichtbaren und unsichtbaren Grenzen“ eine Ausstellung die in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Hohenems entstanden ist. Kuratiert von Boaz Levin beschäftigen sich zwölf internationale Gegenwartskünstler_innen auf kritische Weise mit dem Phänomen Grenzen. Gezeigt werden großformatige Fotografien, Objektinstallationen und Videokunst. Ergänzt werden die Kunstwerke durch Hörstationen, die Münchner Flucht- und Grenzerfahrungen aus den 1930er und 1940er Jahren thematisieren. Speziell für die Ausstellung in München neu interpretiert und erweitert wurde die Installation „Say Parsley“ von Caroline Bergvall.

Die Ausstellung erstreckt sich über alle Ebenen des Jüdischen Museums. Im Foyer erwartet die Besucher_innen eine großformatige Installation des Fotokünstlers Arno Gisinger. Im zweiten Obergeschoss sind sieben Arbeiten in drei thematische Sektionen — „(Un-)Natürlichen Grenzen“, „Europa: Union oder Festung“ und „Kapital und Arbeit“ — zu sehen. Darunter Videoinstallationen von Ovidiu Anton, Pinar Ögrenci, Fiamma Montezemolo und Ryan Jeffrey/Quinn Slobodian, fotografische Installationen von Mikael Levin, Leon Kahane und Fazal Sheikh sowie eine Rauminstallation von Vincent Grunwald. Im ersten Obergeschoss schließt daran eine große fotografische Installation von Sophie Calle zu den Grenzen „zwischen privatem und öffentlichem Raum“ an. Dazu eine multimediale Arbeit von Zach Blas zu „biometrischen Grenzen“ und in der letzten Sektion, die „Sprache und Grenzen“ thematisiert, Installationen von Caroline Bergvall und Lawrence Abu Hamdan. Hörstationen, die Grenzsteinen an den Außengrenzen des Deutschen Reichs in den 1930ern und 1940ern nachempfunden sind, ziehen sich über alle Ebenen des Hauses, bis hinab in die Räumlichkeiten der Dauerausstellung.

Mit Arbeiten von
Ovidiu Anton (Wien), Caroline Bergvall (London), Zach Blas (London), Sophie Calle (Paris), Arno Gisinger (Paris), Vincent Grunwald (Berlin), Lawrence Abu Hamdan (Beirut), Ryan S. Jeffrey (Los Angeles) und Quinn Slobodian (Cambridge, MA), Leon Kahane (Berlin/Tel Aviv), Mikael Levin (New York), Fiamma Montezemolo (San Francisco), Pinar Ögrenci (Istanbul/Berlin), Fazal Sheik (Zürich)

Kurator: Boaz Levin
Projektkoordination: Nikolaus Hagen
Ausstellungsarchitektur: Roland Stecher / Thomas Matt, atelier stecher

Katalog zur Ausstellung
Boaz Levin/Hanno Loewy/Anika Reichwald (Hg.):
Sag Schibbolet! Von sichtbaren und unsichtbaren Grenzen
BUCHER Verlag Hohenems-Wien-Vaduz
244 Seiten, 29,80 Euro
ISBN 978-3-99018-459-2

(Foto: Arno Gisinger - Schuß / Gegenschuß S, 2017)

Veranstaltungsdetails:

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